Und hier ist die Antwort:

Glaube und Steuer - aus evangelischer Sicht
Vielfach ist zu hören, ich trete aus der Kirche aus, denn für meinen Glauben brauche ich sie nicht und kann mir dann auch noch die Kirchensteuer ersparen.

Der Glaube ist zuerst eine Frage des Einzelnen, eine Frage des Gewissens und der persönlichen Verbindung zu Gott. An Gott glaubt jeder einzeln - oder auch nicht. Es gehört aber zu den zentralen Glaubensgrundsätzen, dass die Christen untereinander durch den Glauben an Gott, an Jesus Christus und an den Heiligen Geist verbunden sind, dass sie zu einer Gemeinschaft gehören. Diese Gemeinschaft aller Gläubigen ist die Kirche in einem theologischen Sinn. Diese Verbundenheit ist eigentlich auch unverzichtbar. Wenn jemand sagen würde: Ich glaube an Gott, aber andere Christen sind mir völlig egal, ist dem zu widersprechen; da kann etwas nicht stimmen, da ist der Glaube falsch verstanden.

Die eigentliche Kernfrage ist vielmehr die nach dem Verhältnis von geglaubter Kirche und konkreter, verfasster Kirche. Natürlich ist die Kirche - egal ob evangelisch oder katholisch - in der wir leben, oder die Kirchengemeinde nicht absolut identisch mit der geglaubten Kirche Christi. Dies alleine schon deshalb, weil es andere verfasste christliche Kirchen bei uns und in der Welt gibt, die ebenfalls Teil der einen geglaubten Kirche sind.

Theologisch wäre nichts dagegen einzuwenden, sich einer anderen evangelischen Kirche z.B. einer Freikirche anzuschließen (wo in der Regel wesentlich höhere Beiträge erwartet werden). Ein wirklich schlechtes Gefühl bleibt aber bei den Menschen, die ganz aus der Kirche austreten und behaupten, die Gemeinschaft mit anderen Christen würden sie nur so, ganz freischwebend, fühlen. Wie soll das gehen? Kann man immer nur Gottesdienst für sich alleine feiern? Wie erfährt man von anderen, wo kann man über seinen Glauben nachdenken und sprechen? Wo wird man gesegnet, getauft, beerdigt? Kann man das alles alleine mit seinem Gott ausmachen?

Weitergehen ist diesbezüglich und im Hinblick auf die Verwendung der Kirchensteuern zu sagen: Natürlich ist es nicht die Hauptaufgabe der Kirche, Soziales zu tun, sondern die Hauptaufgaben sind Verkündigung, Seelsorge, Lehre, Predigt, usw. usw. Wenn es keine Kirche gäbe, woher hätte man überhaupt von Gott erfahren? Wer hätte die Bibel gedruckt? Wer das Vaterunser überliefert? Wer hätte die Lieder gedichtet, die Bilder gemalt? Kann man auf all das verzichten? Vielleicht benötigen Sie wirklich nicht alles davon jetzt gerade für Ihren Glauben - wobei ich mir einen Glauben an Gott ohne Gottesdienst schon kaum vorstellen kann -, aber braucht es auch sonst niemand? Unsere Kinder?

Und schließlich sollte die Gefahr, auch die Verbindung zu Christus zu verlieren, nicht unterschätzt werden. Der Glaube, ganz für sich alleine, ohne Gottesdienst, ohne gemeinsame Lieder, ohne Predigt und Gespräch ist gefährdet. Man wird vorher nicht wissen, welche Gefahren kommen, vielleicht geschieht der Verlust auch schleichend, aber leichter ist es sicher in der Gemeinschaft.