Details zur Abgeltungsteuer

Die vielfältigen, wichtigen und weit in die Gesellschaft hineinwirkenden Aufgaben der Kirche in Verkündigung, Seelsorge und Diakonie werden von den Kirchenmitglieder durch ihr ideelles und materielles Engagement getragen. Ein wichtiger Teil dieses Engagement ist die Entrichtung des Kirchenbeitrages - der Kirchensteuer, die als Zuschlag zur Lohn- bzw. Einkommensteuer erhoben wird.

Ab dem Jahr 2009 ist das Erhebungsverfahren der Einkommensteuer auf - im Privatvermögen erzielte - Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden, Veräußerungsgewinnen etc.) durch Einführung der sog. Abgeltungsteuer (Kapitalertragsteuer) neu geordnet und sowohl für den Steuerbürger als auch für die Finanzverwaltung vereinheitlicht und vereinfacht worden.

Rechtsgrundlagen sind neben 51a Einkommensteuergesetz die Kirchensteuergesetze der Länder und die Kirchensteuerordnungen und Kirchensteuerbeschlüsse der steuererhebenden Religionsgemeinschaften.

Wie bisher sind die Kapitalerträge Einkünfte, die der Einkommensteuer und für Kirchenmitglieder damit auch der Kirchensteuer unterliegen. Sie vermitteln dem Kirchenmitglied - wie andere Einkunftsarten - Leistungsfähigkeit. Insofern ändert sich nichts, da die Abgeltungsteuer nur eine besondere Form der Erhebung der Einkommensteuer ist. Wurde bisher Einkommensteuer auf Kapitalerträge durch Angabe in der Einkommensteuererklärung erst im Rahmen der Veranlagung durch das Finanzamt erhoben, wird sie nunmehr gleich an der Quelle, d.h. der die Kapitalerträge auszahlenden Stelle (i.d.R. die Bank) einbehalten und an die Finanzverwaltung abgeführt. Ferner beträgt der Steuersatz nunmehr höchstens 25% (bisher bis 45%). Die auszahlende Stelle behält von den Kapitalerträgen 25% Kapitalertragsteuer ein. Hierauf wird - neben dem Solidaritätszuschlag - auch die Kirchensteuer (8% in Bayern und Baden-Württemberg, sonst 9%) erhoben. Die steuermindernde Wirkung des Sonderausgabenabzugs für die Kirchensteuer ist gleich mit berücksichtigt.

Liegt der persönliche Steuersatz des Steuerpflichtigen unter 25%, wird die zuviel einbehaltene Steuer vom Finanzamt im Rahmen der Veranlagung erstattet (Günstigerprüfung). Die bisher mögliche Steuerfreistellung von Kapitalerträgen (z.B. beim Sparerfreibetrag) bleibt beibehalten.

Ab dem Jahr 2015 wird das Erhebungsverfahren vereinfacht. Dem Abzugsverpflichteten (z.B. der Bank) wird von der Finanzverwaltung die Religionszugehörigkeit in verschlüsselter Form mitgeteilt. Dieses Verfahren ist dem Grund nach schon seit langem durch das Lohnsteuerabzugsverfahren beim dem Arbeitgeber (Religionsmerkmal auf der ehemaligen Lohnsteuerkarte) bekannt. Die Bank behält daraufhin Kirchensteuer ein und führt sie an die Religionsgemeinschaft ab. Soll der Bank das verschlüsselte Religionsmerkmal nicht mitgeteilt werden, kann der Steuerpflichtige widersprechen und erklärt seine Kirchensteuer im Rahmen der Veranlagung. Die Bank darf die Daten nur für Zwecke des Kirchensteuerabzugs in einer geschützten Umgebung verwenden. Das Verfahren entspricht den Anforderungen des Bundesdatenschutzbeauftragten. Die Religionsgemeinschaften erhalten keinerlei Kenntnisse.

Kirchensteuer als Zuschlag zur Kapitalertragsteuer mit Beispielen